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(Aus der Rede des Obmannes Dr. Ulrich Siebenbürger:)
Unisono – so haben wir unser Konzert zum Posaunenchorjubiläum genannt.
Unisono – d.h. Einstimmigkeit oder Zusammenklang. Für jeden Chor sind zwei Dinge grundlegend wichtig: Zum einen, dass möglichst viele verschiedene Stimmen sich vereinen und in das Lob Gottes mit einstimmen. Zum andern, dass sie auf einander hören und so ein runder, schöner Klang entsteht. Keiner zu laut, aber jeder hörbar. Quasi ein Traum von Gemeinde! Auch wenn Sie heute keine Orgel, keine Kantorei, keinen Gospel- oder Kinderchor hören – Unisono soll heißen: gemeinsam wollen wir Gott loben. Heute besteht die Gemeinsamkeit darin, dass uns Freunde aus dem Posaunenchor Pockau im Erzgebirge unterstützen.
Seit diesem Jahr haben wir auch einen zweiten Namen: Posaunenchor St. Pauli. Beim Bergfest wurden wir so angekündigt – und das zeigt doch, dass wir auch bei den katholischen Gemeinden uns schon einen Namen gemacht haben.
Was feiern wir aber wirklich? Wir feiern einen langen Lebensweg, mit allen Hochs und Tiefs, mit guten Zeiten und schweren Tagen. Wir feiern weil wir dankbar sind. Dankbar, dafür dass sich immer wieder Chorleiter, Bläserinnen und Bläser gefunden haben, die üben und mitmachen um Gottes Lob erklingen zu lassen. Gemeinsam: Unisono. __________________________________________________________________________
(aus dem 'Rückblick' (vorgetragen von Frau Pia Seidel):)
Als vor 163 Jahren der erste deutsche Posaunenchor von Pfr. Kuhlo in Bethel gegründet wurde, da geschah das unter der gleichen Bezeichnung wie bei der Gründung unseres Posaunenchores 1926 hier in Amberg: als Dienst in der Gemeinde. Heutzutage, wo Diener weder als Haushaltshilfen noch als Begrüßungsform mehr üblich sind, da ist auch das Dienen, also einer Sache dienen, einer Gemeinde dienen, unmodern geworden. „Ich bin im Dienst“ – das klingt heute nach Arbeit und anstrengender Pflicht.
Die Bläser im Posaunenchor dienen aus freien Stücken, eigentlich weil es ihnen Spaß macht. Wenn wir einer guten Sache dienen, ja, wenn wir dem guten Gott dienen, der Dank und Loblieder verdient hat, dann macht das Freude.
Bläser sein, das ist das reine Vergnügen! Die anwesenden Bläser werden mir bestätigen mit welchem Feuereifer sie zuhause üben und wie lustig die Proben sind! Da ist jede Woche die Gelegenheit zu ausgiebigen Unterhaltungen, während der Chorleiter noch versucht, einen Takt vorzugeben.
Oder die fröhlichen Übungen in Basisdemokratie bei jeder Chorprobe: jeder darf mitreden, z.B. wo das Musikstück jetzt wiederholt werden soll. Und ob man es nicht besser zweimal wiederholt. Wir beginnen deshalb in der 4. Zeile, 3. Takt von hinten oder wenn’s denn gewünscht wird auf der 2. Seite, 3. Zeile, 2. Takt von vorne – und damit sind alle Klarheiten beseitigt und Raum für die beliebten Diskussionen. Wenn überhaupt alle beim richtigen Musikstück sind – auch das kann Überraschungen bringen. Zitat Posaunenchorleiter Rudolf Bär: „Alle schlagen jetzt die richtige Seite auf. - Und damit wissen doch alle Bescheid!
Das ist das Schöne am Posaunenchor: jede und jeder darf mitspielen, egal ob Anfänger oder Profi, egal ob evangelisch oder katholisch, egal ob jung oder alt. Wir lieben unsere Jungbläser, sind stolz auf sie, auch wenn sie gerade mal nicht die richtige Notenzeile finden.
Mit einem Orchester können wir uns da natürlich nicht vergleichen, auch nicht mir einer Blaskapelle. Wir sind Hobbymusiker, die gerne in der Gemeinde mit-spielen, so wie andere mit-singen oder mit-tun.
Wir sind dabei nicht wählerisch. Wir spielen wo man uns brauchen kann: bei jedem Pfarrer, gehen auch in andere Gemeinden, haben keine Berührungsangst mit katholischen Messen oder profanen Serenaden im Maltesergarten. Wir spielen Kirchenlieder oder moderne Gospels, Volkslieder und alte Bläsermusik. Wir machen quasi Wunschkonzert. Und spielen am liebsten ein Stück mehr als man von uns verlangt hat. Wo wir doch schon mal da sind ...
Wichtig beim Blasen ist nur: es soll Freude machen. Den Hörern zuerst, aber natürlich auch uns. Wir spielen, weil wir uns gerne selber hören ...
Warum wir den Posaunenchor brauchen.
80 Jahre sind ein ganzes Leben. Länger, als unsere Erinnerung reicht. So erstaunt es auch nicht, dass keiner der 9 Gründungsmitglieder mehr unter uns weilt. Aber der eine oder andere hier erinnert sich noch an die Chorleiter: bei der Gründung Johann Georg Behringer aus Königstein, nach ihm für viele Jahre Ernst Bauer, der in unserem Chor von Anfang an mitgespielt hat, dann in Umbruchzeiten nach 1978 Klaus Geinitz, Reinhard Schröder, Gerhard Fehrl, Jakob Kraft und mit neuer Kontinuität jetzt seit 13 Jahren: Rudolf Bär
Kontinuität. Das ist eines der Markenzeichen des Posaunenchors. Trotz einer Zwangspause im 2. Weltkrieg, trotz einem Auf und Ab bei den Bläserzahlen, trotz vieler verschiedener Pfarrstelleninhaber in all den Jahren: der Posaunenchor bestand und besteht wie unsere Paulanerkirche.
Natürlich auch mal grundrenoviert: neues Liedgut kam durch die Kirchentage – Sie erinnern sich sicher an das kleine Liederbuch 72, den „Silberpfeil“. Und so wie sich die Bläser heute an südamerikanische Rhythmen gewöhnen mussten, so waren es eben vor 30 Jahren die ersten Gospelmelodien. Ein zweites Kennzeichen unseres Posaunenchors ist deshalb die Anpassungsfähigkeit. Nicht nur unsere Jungbläser fordern moderne Musik, auch unsere Hörer. Sie bekommen gleich eine kleine Kostprobe.
Ein drittes Kennzeichen wäre: evangelisch. Man braucht es eigentlich gar nicht dazu zu sagen, denn ein Posaunenchor ist eben typisch evangelisch. 910 Chöre mit 19.000 Bläserinnen und Bläsern gibt es allein in Bayern. Und jeder Bläser benutzt in etwa die gleichen Noten, kann in jedem anderen Chor und auf Bezirksebene, bundesweit bei Kirchentagen mitspielen. So haben wir 1993 in München die Bläser aus Pockau kennen gelernt und eine langjährige Freundschaft mit wechselseitigen Besuchen begonnen. Schön, dass wir auch heute zusammen feiern können.
Das vierte Kennzeichen eines Posaunen-chores wäre: missionarisch. Ich hätte auch „einladend“, „werbend“ oder sonst einen Begriff aus der Öffentlichkeitsarbeit nennen können – das alte Wort „missionarisch“ trifft es aber am besten.
Bläser sind – quasi dienstverpflichtet – Gottesdienstbesucher; sie hören Andachten in der Chorprobe, sie kennen wohl mehr Gesangbuchlieder, als viele andere. Sie hören immer wieder die Einladung Jesu zur Nachfolge im Alltag und seinen Auftrag zur Mission. Kirche, Gemeinde soll nicht im eigenen Saft schmoren, sondern andere Menschen erreichen, sie mit gelebter Fröhlichkeit des Glaubens anstecken. Und das geht am besten mit Musik. Deshalb ist der Posaunenchor missionarisch.
Kontinuität, Anpassungsfähigkeit, evangelisch und missionarisch. Musikalisch sowieso. Das ist und war schon immer unser Posaunenchor. Wir hören ihn gerne. Wir brauchen ihn für die Öffentlichkeitsarbeit, quasi als Aushängeschild. Nicht perfekt, aber brauchbar für Gottes Reich – so wie wir alle. Gut, dass es ihn gibt.
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